Zwillinge Stillen – geht das überhaupt?

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Eine der ersten Fragen, die ich immer wieder gestellt bekomme: Und wie hast Du bitte zwei Kinder gleichzeitig satt gekriegt?!? Die meisten Leute stellen es sich sicherlich absolut absurd vor, an jeder Brust ein Kind hängen zu haben. Ehrlich gesagt war mir das auch nicht ganz geheuer, bzw. es hat einfach nicht richtig geklappt. Wir haben einfach keine Synchronität hinbekommen. Da bewundere ich wirklich jede Zwillingsmami, die das schafft. Hintereinander stillen wäre zeittechnisch unmöglich gewesen. Ich wollte aber unbedingt gerne stillen. Meine Lösung: Ich habe die O´s über Flasche gestillt. Bedeutet, ich habe jede Mahlzeit abgepumpt und ihnen dann die Muttermilch in Fläschchen gegeben. Und so war das Abpumpen für mich persönlich die beste Lösung. So haben die Jungs Muttermilch bekommen und ich konnte sie gleichzeitig füttern.

Klar, alle 3-4 Stunden abpumpen, 24 Stunden am Tag, natürlich auch Nachts und dann ständig alle Flaschen und Sauger und Pumpen-Einzelteile auswaschen und sterilisieren, ist eine echt mühsame Sache. Aber alles geht. Man funktioniert halt einfach. Und bei den ersten Kindern kennt man es ja auch nicht anders. Da man bei Zwillingen ja sowieso in der Schwangerschaft so behandelt wird, als hätte man nach der Geburt nie wieder Zeit für Irgendetwas und als würde man in den ersten Monaten täglich am Rande des Erschöpfungstodes stehen, hatte ich mich auf das Schlimmste eingestellt. Und es war gar nicht so schlimm. Wartet mal bis zwei Babys 1 Jahr alt werden, ihren Dickkopf voll entfaltet haben und anfangen zu laufen, DAS ist anstrengend (obwohl das mit dem Laufen bei uns grad erst so losgeht mit harmlosen langsamen tapsigen Schrittchen, der richtige Wahnsinn steht uns noch bevor!).

Wie eine (Milch)Maschine hab ich mich zwar schon manchmal gefühlt, aber man will ja nur das Beste für die Kleinen. Ich war aber irgendwann so routiniert, dass alles ZackZack ging und ich teilweise die Abpump-Maschine unter meinem Pulli hatte und sogar beim Autofahren abgepumpt hab (Nicht als Fahrerin, mein Mann ist gefahren, ich saß hinten zwischen den Kindern!). Aber Zeit ist so kostbar in diesen ersten Monaten. Der Tag hat nur 24 Stunden und man ist ca. 3 Stunden pro Tag mit Abpumpen beschäftigt. Und ca. 2 Stunden mit Flaschen waschen, sterilisieren und Co. Da muss man auch mal kreativ sein :-).

Der größte Vorteil am Stillen über die Flasche: Der Mann oder wer auch immer kann auch mal Fütterungen übernehmen. Das ist wirklich wichtig. Denn man braucht auch einmal eine Pause und muss einmal raus aus dem Haus zum Mädelsabend, oder auch einfach nur mal um mehr als 4 Stunden am Stück zu schlafen.

Mein allergrößter Tipp für alle Abpump-Mamis: Gönnt euch die Medela Freestyle Pumpe. Der Mann soll sie sofort besorgen/euch zur Geburt schenken. Sie ist zwar wirklich teuer (kostet über 250€), aber sie war das Schönste was ich mir nach ca. 4 Wochen mit der aus der Apotheke ausgeliehenen „Monster-Abpump-Maschine“ Medela Simphony vorstellen konnte (diese Milchpumpe wird einem auf Rezept im Krankenhaus verschrieben bei Bedarf und ist in der Apotheke auszuleihen). Es ist so als ob man seine Blogartikel auf einer Schreibmaschine schreiben musste und dann auf einmal ein Macbook Air bekommt. Kein Witz, der Vergleich ist nicht an den Haaren herbeigezogen!!!

Die Medela Freestyle ist handlich, klein, hat einen Akku, passt in die Handtasche und ich hätte sie gegen keine Bottega Veneta Tasche eingetauscht (naja, ok hmmm…). Ihr seid mit der kleinen Pumpe einfach flexibel, mobil, könnt irgendwo hinfliegen oder fahren, ohne einen Koffer (!) für die große Milchpumpe mitzunehmen. Ihr könnt überall abpumpen, zur Not auch mal schnell zwischendurch auf dem Klo oder beim Telefonieren (ja, hab ich alles gemacht!), denn sie funktioniert elektrisch  (wer ernsthaft eine Handpumpe kauft, wo man selber die Pumpbewegungen ausführen muss, ist mir bis heute ein Rätsel) und der Akku hält ewig. Ich kann sie nur zu 10000% weiterempfehlen. Wer sich auch noch das „Halte-Bustier“ kauft kann währenddessen sogar telefonieren, surfen, kochen oder was auch immer tun. Nur zu übermütig sollte man nicht werden, denn es gibt nichts Schlimmeres, als wenn von der kostbar abgepumpten Milch etwas umkippt, weil man sich zu schnell bewegt hat und der Trichter samt Flasche runterfällt.

Für alle, die sich mit dem Thema noch nie beschäftigt haben, werden wohl diese Bilder reichen:

Das gesamte Thema Stillen ist sowieso ein Kapitel für sich. Ich kenne jeden Fall: Vollzeitstiller, Langzeitstiller, Stillfanatiker, Stillgegner, Mamis die nicht stillen konnten und für die eine Welt zusammen gebrochen ist, Mamis die partout nicht stillen wollten und Medikamente gegen Milchbildung genommen haben, Abpumpmamis, Flaschenmamis, Mamis, die überall ihr Brust auspacken, Mamis denen das unangenehm ist usw usw. Meine persönliche Meinung dazu: Jede muss dieses Thema absolut für sich selber entscheiden und für sich herausfinden, was die beste Lösung ist. Hauptsache, Mami und Kind(ern) geht es gut. Ich hab die Jungs nach 6 Monaten abgestillt und war dann irgendwie doch auch froh, meinen Körper wieder für mich alleine zu haben. Und doch habe ich die Stillzeit sehr genossen. Also ein großes JA zu diesem Thema, man kann Zwillinge sehr gut stillen :-)!

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